Balutschistan – Der verrückteste Grenzübergang der Welt?

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Balochistan – eine schier endlose, trocken-heiße, staubige Wüstengegend, die sich über die von ehemaligen Kolonialherren willkürlich und ohne Rücksicht auf die dort lebenden Ethnien gezogenen Landesgrenzen von Afghanistan, Pakistan und dem Iran erstreckt … eine Region, ungefähr so groß wie Deutschland, die von der pakistanischen Regierung mit Gewalt einverleibt wurde und in der verschiedene Separatistengruppen um ihre politische Unabhänigkeit kämpfen … eine Region, die überdies in den letzten Jahren immer wieder in die Schlagzeilen geriet, wegen der Entführung und Geiselnahme von Touristen, Bombenanschlägen der Taliban und anderer Terrorgruppen und nicht zuletzt wegen eines florierenden Drogenschmuggels über die Grenzen.

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In diese Region machte ich mich nun auf, um vom Iran aus über den Landweg nach Pakistan und Indien zu gelangen. Frohen Mutes überquerte ich an einem Donnerstag Nachmittag die iranisch-pakistanische Grenze bei Taftan und wurde auf pakistanischer Seite freundlich von der Polizei empfangen. Die mit Kalaschnikows bewaffneten Grenz- und Anti-Terror-Polizisten Balochistans nennen sich selbst „Levies“ und betreiben einen großen Aufwand, um Touristen sicher durch die größte Provinz Pakistans zu geleiten.

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600 km galt es von Taftan bis in die Provinzhauptstadt Quetta zurückzulegen.

Das ist eigentlich keine große Distanz, wenn man überlegt, wie leistungsfähig heutige Autos sind, aber dennoch kostete mich die Wüstendurchquerung mit Polizeieskorte ganze 5 Tage! Dafür waren unter anderem die vielen Polizei-Check-Points verantwortlich, die immer wieder mitten in der Wüste auftauchten und an denen ich mich – wie alle anderen Touristen auch, die diesen Weg gehen – in ein großes Buch eintragen und das Fahrzeug wechseln musste.

Das war ganz schön zeitaufwendig und auch kraftraubend, denn immer wieder wurde ich neuen Levies vorgestellt, immer wieder musste ich meinen schweren Rucksack auf die Ladefläche eines anderen Pick Ups laden und immer wieder beantwortete ich die gleichen Fragen: „Hey, how are you? What’s your name? Where are you from? Do you like Pakistan? What is your profession in Germany? Are you married?“ und ähnliches!

Na ja … angesichts der Bemühungen, die sie unternahmen, möchte ich ihnen jegliche Neugier oder Distanzlosigkeit verzeihen.

Das permante Gefragtwerden nach der Herkunft, dem Familienstand und dem Beruf setzte sich übrigens während meines gesamten Aufenthaltes in Pakistan fort … aber hey … Menschen sind eben neugierig und das ist auch vollkommen okay :D.

Der Transport auf den Ladeflächen der Pick Ups war aufregend … ebenso auf Polizeistationen zu schlafen, die fast jeglichen Komfort missen lassen, die schlicht und einfach ausgestattet und baulich sowie technisch ziemlich heruntergekommen waren!

 

Mit dem Betreten Pakistans begab ich mich auf das bislang größte und verrückteste Abenteuer der ganzen Reise!

Bereits kurz nachdem ich in der Polizeistation von Taftan für die Nacht einquartiert wurde, wurde ich Zeuge der Gefangennahme von ca. 80 Pakistanis, die versucht haben, „illegal“ über die Grenze in den Iran zu flüchten, um dort Arbeit zu finden und ein besseres Leben zu beginnen. Alle diese Männer wurden für eine Nacht in Gewahrsam genommen und am nächsten Tag nach Hause geschickt.

Für mich sollte es am nächsten Morgen mit der Polizeieskorte nach Dalbandin gehen.

Ich hätte bereits am Nachmittag dort ankommen müssen; es wurde dann aber später Abend. Man hat mich nämlich an einen Wüstenposten der Polizei ausgesetzt, scheinbar vergessen und erst nach mehreren Anrufen der Levies nach 7 Stunden abgeholt. Na ja … Das war auch halb so wild.

 

Ich konnte mir die Zeit in der Wüste ganz gut in der Gesellschaft der beiden Levies vertreiben, die den Posten bewachten. Die Beiden waren schon lustige Kerle! Der Eine telephonierte ständig oder schlief, während der Andere damit beschäftigt war, die Straße mit einem Seil zu sperren, um vorbeifahrende Fahrzeuge zu kontrollieren.

 

Nach Einbruch der Dunkelheit wurde ich dann von einem Polizei-Pick Up abgeholt. Der wohl einen höheren Rang inne habende Polizist beschwerte sich zwar darüber, dass er wegen nur eines Touristen den weiten Weg zurücklegen musste, aber letztendlich brachte er mich zu einem schmutzigen Hotel in Dalbandin, indem ich übernachten musste … ob ich wollte oder nicht! Da erst am nächsten Abend weitere Touristen eintreffen und ich mit ihnen zusammen weiterreisen sollte, musste ich wohl oder übel zwei Nächte an diesem ungemütlichen Ort verweilen.

Derweil quälte mich die Trennung von meiner lieben Hazal sehr und im Hotel in Dalbandin hatte ich genug Zeit, um darüber zu sinieren!

Das ältere Ehepaar Therése und Pierre aus Frankreich sowies Feico und Saskia aus den Niederlanden waren da eine willkommene Abwechslung. Insbesondere Pierre strahlte mit seiner stets lockeren, fröhlichen Art eine Ruhe und Gelassenheit aus, die seinesgleichen suchte. Ich war auch sehr begeistert von seinem Humor und hoffe, dass ich im Alter auch einmal so humorvoll und aktiv sein werde :)!

Zu fünft setzten wir unsere Fahrt durch die Wüste dann am nächsten Tag mit diversen Polizeieskorten bis zur Provinzhauptstadt Quetta fort.

Was am Anfang noch spaßig und abenteuerlich war, entpuppe sich bald als anstrengend, denn ich musste mit meinem schweren Rucksack mindestens 15 Mal die Ladefläche des Pick ups wechseln! Feico und Saskia waren dann irgendwann so nett, mich in ihrem Jeep mitfahren zu lassen. Sie ließen mich sogar vor der Polizeistation in Quetta in ihrem Auto schlafen, nachdem der Polizeikommissar mir verwehrte in der Polizeistation zu nächtigen.

Die pakistanischen Polizisten sind übrigens ein Völkchen für sich: Es fällt mir bisweilen schwer, sie ernst zu nehmen, da sie gegenüber Touristen einerseits sehr freundlich sind, sich andererseits in ihren Aussagen aber auch oft widersprechen.IMG_20181115_0950273 So hieß es einmal, dass wir draußen auf dem Gelände der archäologischen Ausgrabungsstätte Harappa zelten dürfen und ein anderes Mal, dass es zu gefährlich sei, weil uns ja der Ast eines großen Baumes auf den Kopf fallen könnte. Etwas Verrückteres habe ich bisher noch nicht gehört :D! Ferner behaupten sämtliche Polizisten, Pakistan sei ein absolut sicheres Land, aber warum eskortierte man uns dann permanent in Polizeifahrzeugen mit Maschinengewehren :)?

In der Polizeistation von Quetta lernte ich – wie es der Zufall so wollte – Alex und Anastasia kennen … ein Pärchen aus Russland, das bereits seit zwei Jahren in Eintracht um die Welt reiste (was mich etwas neidisch machte) und die auch als Couch Surfer bei unseren Freunden aus Teheran übernachteten! Wie klein ist doch die Welt! Ferner lernte ich Samuel aus Österreich kennen, der schon viel mehr Reiseerfahrung als Backpacker hat als ich und mich dem ich die nächsten zehn Tage zusammen reisen sollte.

Bis wir unsere Fahrt im staubigen, alten Zug von Quetta nach Multan antraten, geschahen in der Polizeistation von Quetta noch höchst seltsame Dinge. Die Polizeibeamten erlaubten den Touristen nämlich nicht nur öffentlich zu kiffen, sondern taten es auch selbst und verkauften das Zeug sogar an Samuel und Andere! So etwas wäre in Deutschland undenkbar (glaube ich zumindest)!

Offiziel kam das natürlich nicht vor ;)!

… aber als ich das erlebte, dachte ich so bei mir, dass diese Männer vielleicht noch richtige Polizisten sind, die sich um wirklich wichtige Dinge kümmern! Anstatt sich um den Hasch-Konsum oder um Falschparker zu kümmern, versuchen sie den Terrorismus in ihrer Region zu bekämpfen und für Sicherheit in der Stadt zu sorgen.

Ich weiß natürlich, dass unsere Polizei in Deutschland das auch tut! Sie tun aber meiner Meinung nach auch eine Menge unnötiger Dinge. Deshalb dieser Denkanstoß ;).

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