Ein Zu Hause im Großstadtdschungel

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Ein Nachtbus brachte uns in einer etwa elfstündigen Fahrt von der armenisch-iranischen Grenze nach Teheran, Irans abgasverseuchte, kaum Charme versprühende Hauptstadt, der es irgendwie an einem historischen Stadtkern zu fehlen scheint. Kein Wunder … ist Teheran doch auch erst etwa 200 Jahre alt. Einheimische meinen jedoch, dass die Gegend um den Grand Bazzar und dieser selbst als das historische Zentrum zu verstehen seien.

Die Fahrt im Bus verlief angenehm und ruhig. Während der Fahrt kamen mir Erinnerungen an zahlreiche Situationen und Erlebnisse meines vergangenen Iran-Aufenthaltes in den Sinn.

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… und doch gestaltete sich diese zweite Reise in den Iran sehr viel anders als damals!

Zum Einen liegt das daran, dass ich selbst reifer und selbstbewusster geworden bin und mich viel stärker auf Begegnungen mit anderen Touristen und Iranern einließ, zum Anderen reiste ich nicht allein, sondern mit meiner süßen Hazal, was sich natürlich auf das Verhalten der Einheimischen mir gegenüber, aber auch auf mein eigenes Reise- und Konsumverhalten auswirkte.

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Unsere Zeit in Teheran erlebte ich als zwiegespalten: Eigentlich wollte ich gar nicht so lange dort bleiben, da ich die Luft in dieser versmogten Stadt sowie ihren chaotischen Straßenverkehr als ungesund erlebte und ich Teheran auch nur wenig Schönheit abgewinnen konnte. Ich meine eine Schönheit, in der ich zur Ruhe kommen und mich wohl fühlen konnte.

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Wir blieben aber dennoch mit zwei kurzen Unterbrechungen 15 Tage, da wir zum Einen das Hostel, in dem wir unterkamen, als Ruheoase betrachteten sowie als Ort, in dem man unglaublich interessante Menschen kennenlernen und von ihren Reiseerlebnissen inspiriert werden konnte und weil wir zum Anderen bei einer unglaublich netten, gastfreundlichen Familie zu Gast waren, deren zwei Söhne unglaublich entspannt, offen, reflektiert, kommunikativ und freundlich waren! Wir haben in A. und seinen Bruder A. zwei neue Freunde gefunden. Meine Schwierigkeiten, ein Visum für Pakistan zu bekommen, verlängerten unseren Aufenthalt ebenfalls um weitere acht Tage.

Doch zunächst einmal zurück zum Hostel: Das Heritage Hostel nahe der Metro-Station „Baharistan“ war eine derartige Ruheoase inmitten der furchtbar versmogten, lauten und stressigen Stadt, dass wir ganze acht Tage bzw. Nächte dort verbrachten … allerdings nicht am Stück! Wir suchten das Hostel, das einen großen Innenhof mit Sitzgelegenheiten, einem Wasserspiel, Jurten und Sitzkissen sowie grünen Pflanzen hatte, wo man bis spät in die Nacht sitzen und mit den anderen Travellern Reiseerlebnisse austauschen konnte und dass auch über ein sehr gemütliches Foyer mit einem großen Holztisch und einem in die Wand integrierten Bücherregal verfügt, insgesamt dreimal auf!

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Dort lernten wir nicht nur Sadaf und Ali Reza kennen, die zum freundlichen Personal gehörten, sondern auch einen sympathischen Radreisenden aus Holland, der mit seinem Fahrrad mal eben von den Niederlanden bis nach China fahren wollte, Marie aus Frankreich, die seit fast zwei Jahren herumreist, Damian aus Frankreich, der mit seiner Ausstrahlung und seinem Charme die Aufmerksamkeit der Frauen auf sich zu ziehen wusste, David aus Mexiko, der mir persönlich sehr sympathisch war und der seit fünf Jahren um die Welt reist, ohne zwischendurch einmal zu Hause gewesen zu sein sowie David aus Belgien, der Geschichts- und Religionslehrer ist und sich sehr für die Länder des Nahen und Mittleren Ostens zu interessieren scheint.

Mit Marie und einer anderen jungen Frau aus Frankreich unternahmen wir einen Ausflug zum Museum der Omnivard – Brüder, die in den 1950-er und 1960-er Jahren für insgesamt zehn Jahre mit Motorrädern um die Welt reisten. Einer der Brüder war sogar anwesend, aber ich hatte irgendwie kein Bedürfnis, mit ihm zu sprechen oder ihm Fragen zu stellen.

Der Museumskomplex, den wir besuchten, befand sich im Norden Teherans, nahe der Metrostation „Tajrish“. Hazal und ich fuhren insgesamt fünfmal dorthin … jedesmal mit einem anderen Ziel. Einmal besichtigten wir einfach den dortigen Bazar sowie eine große Moschee, in der wie wild gebetet wurde und in der Hazal sich mit einer Art Bettlaken bedecken musste. Ein anderes Mal trafen wir dort Gittis Neffen, der sich freute, mich wiederzusehen und der uns mit seinem Auto zum Toojal-Berg hinauffuhr. Von der Aussichtsplattform hatte man einen schönen Blick auf das nächtliche Teheran.

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Ein anderes Mal wiederum trafen wir uns mit A. in der Nähe der Metrostation „Tajrish“, um dort mit ihm in einem persischen Fastfood-Restaurant etwas zu essen und anschließend das Filmmuseum zu besichtigen und zuguterletzt fuhren Hazal und ich dorthin, um zu einem schlechten Wechselkurs in einem Luxushotel Geld von meinem Konto abzuheben.

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Unsere Zeit mit den beiden Brüdern und deren Eltern:

In den beiden Brüdern, die von ihrer Persönlichkeit her doch sehr unterschiedlich sind, haben Hazal und ich zwei neue Freunde gefunden. Wir lernten die Beiden sowie ihre supertollen, netten und hilfsbereiten Eltern über das Internetportal „Couchsurfing“ kennen. Besser gesagt, wurden wir von ihnen eingeladen, nachdem Hazal sie angeschrieben hatte. Wir verbrachten mehr als neun Tage mit A. und seiner Familie. Wir lernten ihre Freunde kennen, halfen ihnen dabei, abends auf einer Brücke Tee zu verkaufen – was doch tatsächlich illegal ist, so dass wir uns vor der eventuell anrückenden Polizei in Acht nehmen mussten – und zelteten draußen in den Bergen nördlich von Lavasan, was ein großer Spaß war, denn wir saßen lange am Lagerfeuer; ich wanderte ein bisschen in den Bergen und als ich am nächsten Morgen im Zelt erwachte, war das stille Fleckchen Erde, an dem wir uns am Vorabend niedergelassen hatten, doch tatsächlich mit etwa 100 Iranern bevölkert, die picknickten, grillten und sich laut unterhielten. Dieses Verhalten der Einheimischen Bevölkerung ist regelmäßig an den Wochenenden, aber auch an anderen Tagen überall im Lande zu beobachten und erstaunte mich schon bald nicht mehr. Mit A. und A. Zeit zu verbringen war stets eine Freude für uns, denn wir vertreten die gleiche politische Einstellung und haben sehr ähnliche Ansichten. Davon mal abgesehen sind die Beiden einfach unglaublich nett und kommunikativ! Ihre Eltern sind auch einfach wunderbar offen sowie gastfreundlich und schienen uns als ihre eigenen Kinder betrachtet zu haben! Die Zeit mit ihnen war ein Segen für uns und trug dazu bei, dass wir uns im Großstadtdschungel zu Hause fühlen konnten!

Insgesamt verbrachten wir drei Wochen in Teheran!

 

 

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