Hazal & David on Tour

Endlose Weiten, atemberaubende Naturschauspiele, eintauchen in andere Kulturen und Bräuche, die Weite der Welt spüren und das Gefühl von Freiheit genießen. Das entsteht, wenn du dich auf eine Reise ohne definiertes Ende begibst und unterwegs immer wieder erfährst, wie gastfreundlich und hilfsbereit die Menschen überall auf dem Globus sind.

Genau das wollen wir (Hazal & David) in Erfahrung bringen, wenn wir uns Ende Juli 2018 auf eine einzigartige, abenteuerliche Reise um die Welt begeben werden.

Unser Ziel ist das Unterwegssein … ohne jemals ein Flugzeug zu benutzen und nur mit unserem Zelt und unseren Rucksäcken ausgerüstet. Ein Leben aus dem Moment heraus; nutzen, was da ist und geben, was wir den Menschen, die uns begegnen werden, geben können. Ein Leben in Achtsamkeit mit uns, den Anderen und der Natur zu führen, ist unser Wunsch … und das alles möchten wir liebend gerne mit euch teilen, um euch zu inspirieren und zu ermutigen, hinauszugehen und die Welt so kennenzulernen, wie sie wirklich ist.

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Hoch hinaus im Karakorum

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Es ist eine Region der Berghirten, der Selbstversorgung in den Dörfern und der Extreme, in denen die Menschen etwas distanzierter, jedoch nicht minder hilfsbereit und freundlich sind.

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Es ist eine Region, in der nicht nur die höchsten Gebirgsketten der Welt (der Hindukusch, der Pamir, der Karakorum und der Himalaya) aufeinandertreffen, sondern in der auch zahlreiche ethnische Diversitäten und Minderheitensprachen nebeneinander existieren.

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Leider wurde und wird die Region Gilgit-Baltistan, von der ich spreche sowie einige Weitere im Norden Pakistans auch immer wieder von terroristischen Anschlägen bzw. Aktivitäten der von den Bergen Afghanistans kommenden Taliban getroffen und von selbigen heimgesucht, aber auch Stammeskonflikte, in die ich als Tourist keinen Einblick bekam, scheinen die Bergregionen von Zeit zu Zeit zu beunruhigen … ganz zu schweigen vom bewaffneten Konflikt zwischen Pakistan
und Indien um die Regionen Jammu und Kaschmir, in denen sich Gilgit-Baltistan befindet.

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Von alldem war während meines Aufenthaltes dort allerdings nichts zu spüren. Abgesehen von der Polizei- bzw. Militäreskorte, die Samuel und ich auf dem Karakorum-Highway bis Gilgit bekamen und die meine Zeit dort wieder zu einem abenteuerlichen Erlebnis werden ließ,
konnte ich in aller Ruhe die atemberaubende Schönheit des Karakorum-Gebirges und seiner tiefen Täler bewundern.IMG_20181123_1400154

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Angefangen hat diese Episode mit unserem Versuch, aus Taxila (eine Stadt nahe Rawalpindi, wo Abrishs Verwandte wohnen, die uns so herzlich aufgenommen hatten) herauszutrampen.
Das gelang uns auch ganz gut.

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Wir brauchten nur vier Fahrzeuge, um bis an den Fuß der Berge zu gelangen und der vierte Fahrer bot uns sogar an, in seinem Holzhaus in den Bergen zu übernachten, was wir dann auch taten.

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Allerdings war es gefühlt in dieser und in allen folgenden Nächten im Gebirge echt kalt!

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Unser Gastgeber war ein Rechtsanwalt und lebte mit Dienern in seinem Haus. Dieser Umstand und sein kleiner Versuch, mir den Islam schmackhaft zu machen, schreckten mich zunächst etwas ab; allerdings erwies er sich dennoch als respektvoller und höflicher Gastgeber und ein bescheidenes Abendessen aus Reis und Milch gab es dann auch noch.

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Am folgenden Tag fuhren Samuel und ich frohen Mutes per Anhalter auf der Ladefläche eines Pick Up’s mit, bis uns die Polizei wieder einmal entdeckte und uns dann abermals auf den Ladeflächen ihrer Pick Up’s transportierte!

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So ging es von Pick Up zu Pick Up und von Grenzposten zu Grenzposten auf dem Karakorum-Highway entlang, der sich lebendig durch’s majestätische Gebirge schlängelte.

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Nach Einbruch der Dunkelheit zogen die Polizisten ordentlich mit der Geschwindigkeit an. Für meinen Geschmack fuhren wir etwas zu schnell um die Kurven, denn es ging immer sehr dicht am Abgrund entlang und natürlich gab es keine Leitplanken!

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Nach einem recht langen Aufenthalt an der Grenze zur Region Gilgit-Baltistan – Die Polizisten weigerten sich, uns weiter zu bringen, da sie für den kommenden Abschnitt nicht mehr zuständig waren, aber wenigstens durften wir uns am Lagerfeuer wärmen. – ging es mit einem kleinen lokalen Bus weiter durch die Nacht bis nach Chilas.
Dort mussten wir in einem Hotel übernachten, ob wir wollten oder nicht. Alles Diskutieren mit der Polizei, zu zelten oder auf der Polizeistation zu schlafen, half nichts! Na ja … ich muss zugeben, dass ich durch das mehrmalige kostenlose Übernachten auf Polizeiwachen und durch die kostenlosen Polizeieskorten schon etwas verwöhnt geworden war!

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In Gilgit wurde es dann Zeit, von Samuel Abschied zu nehmen, denn er lieh sich ein Motorrad aus, um damit durch die Berge zu fahren, während ich versuchte, bis zur chinesischen Grenze zu trampen. Das gelang anfangs ganz gut, aber nach einiger Zeit bin ich dann doch auf Minibusse umgestiegen, aus einem Mangel an vorbeifahrenden Fahrzeugen.

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Bis zur Grenze habe ich es dann leider nicht mehr geschafft … nur bis nach Sost, der letzten größeren Siedlung vor der Grenze. Es war einfach schon zu kalt und man sagte mir, dass die Temperaturen an der Grenze auf -7 Grad C gesunken seien und die Straße vereist war.

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Folglich ging es für mich nach ein paar Tagen zurück ins Warme Rawalpindi und von dort aus weiter ins noch wärmere Lahore … die Stadt, die das Tor nach Indien bildet, denn sie befindet sich nahe der indischen Grenze.

Der Weg nach Lahore war wieder einmal mit mentalen und körperlichen Anstrengungen verbunden … erfolglose Versuche zu trampen, eine Nachtfahrt im Bus, stundenlanges Laufen mit großem Rucksack durch überfüllte Städte mit aggressivem Straßenverkehr und eine Fahrt in der 3.Klasse im überfüllten Zug :D!

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Das alles kann man haben in Pakistan und in Indien gibt es davon noch viel mehr :D!

In Lahore kam ich zwei Tage bei einem Couchsurfing-Host unter, bevor es zur indischen Grenze ging.
Ich war schon ganz aufgeregt … wollte ich doch das militärische Schauspiel zwischen dem pakistanischen und dem indischen Militär an der Grenze in
Wagah betrachten, dass täglich kurz vor der Schließung der Grenze stattfindet und hunderte von Zuschauern anzieht.

Leider traf ich zu spät an der Grenze ein und so winkten die Grenzbeamten mich nach der Passkontrolle nur noch durch.

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Ja … und da stand ich nun auf indischem Boden … war nach fast exakt 4 Jahren wieder im verrücktesten Land der Welt (Dieser Kommentar ist natürlich völlig wertfrei ;P!)!

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Von Aktenbergen und Trucks im Disco Style

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„Zirkustruck“ in Balutschistan

 

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Zugfahren ist in Pakistan ein mindestens ebenso großes Abenteuer, wie in Indien … zumindest, wenn man in der Economy Class fährt! Da werden nicht nur Fahrgäste transportiert, sondern auch unzähliges Gepäck, angefangen von Jurtebeuteln, über Reissäcke, bis hin zu Koffern aller Art und selbst Käfige mit Hühnern sind kein seltener Anblick.

 

Überdies laufen „fliegende Händler“ auf und ab durch die einzelnen Waggons und preisen lauthals ihre Speisen und Getränke an. Zugegebenermaßen ist das pakistanische Fingerfood äußerst lecker und preislich erschwinglich.

Wer sich während der Zugfahrt allerdings entspannen möchte, dem sei abgeraten von dieser Art „Reisevergnügen“, denn die Züge sind gnadenlos überfüllt; Gepäck wird in jede Ritze gestopft; Menschen stehen und schlafen in den Gängen und das ein oder andere Gepäckstück und selbst Babys werden an den Bahnsteigen durch die Fenster gereicht! Zudem sind die Fenster nicht verglast, so dass es in den Waggons schon mal recht staubig und sandig werden kann.

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Warten auf den Zug in Sahiwal

 

Nachdem ich dann also mit Samuel nach Harappa gereist bzw. von der Polizei in Sahiwal dorthin eskortiert wurde, brauchte ich erstmal zwei Tage Auszeit, denn ich wurde krank bzw. habe mir den Magen verdorben und mich auf dem Museumsgelände übergeben, was mir schon irgendwie peinlich war, aber im Nachhinein konnte ich darüber lachen :D.

Noch viel herzlicher mussten Samuel und ich lachen, als am Vorabend ca. 10 Polizisten in unser Zimmer gestürmt kamen, ohne anzuklopfen oder jegliche Privatsphäre zu wahren. Sie kamen einfach, um sich nacheinander EINZELN unsere Pässe anzusehen, sie abzuphotographieren und dann wie wild darüber oder über irgendetwas Anderes zu diskutieren. Genauso schnell und chaotisch wie sie reingekommen waren, waren sie dann auch wieder verschwunden. IMG_20181114_2308047

Wir lachten nur und dachten uns, dass man für diese Aufgabe auch nur eine einzige Person hätte schicken können :D! Als die Polizisten mich lachen sahen, brachen einige von ihnen auch in ein heiteres Gelächter aus. Ich weiß jedoch nicht, ob wir uns in diesem Moment verstanden und dieselbe Sprache sprachen!

Nach diesem Intermezzo ging es dann mit dem Zug weiter in die Hauptstadt von Pakistan … nach Islamabad bzw. in die Doppelstadt Rawalpindi-Islamabad.

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Dort verbrachten wir ganze vier Tage, verlängerten unser Transitvisa (Eigentlich bekamen wir keine Verlängerung, sondern eine 14-tägige Ausreisefrist!), sahen uns in einer Art Outdoor-Werkstatt an, wie die wunderschön bunt dekorierten pakistanischen Trucks präpariert und angemalt werden und übernachteten in dieser Zeit bei einer sehr netten pakistanischen Familie in Taxila, die Verwandte eines Kindes aus meiner ehemaligen Hortgruppe in Berlin waren.

An dieser Stelle vielen Dank an Abrish und ihre Eltern dafür, dass sie mir diesen Kontakt vermittelt haben :)!IMG_20181118_1111169

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Samuel war natürlich auch immer dabei :D!

 

Islamabad und seine Nachbarstadt Rawalpindi, die beide im Prinzip zusammengewachsen sind, könnten unterschiedlicher nicht sein:

Während in Rawalpindi das Leben tobt, es unzählige Geschäfte gibt, gearbeitet und gewohnt wird,

wirkt Islamabad wirklich wie eine am Reißbrett geschaffene Verwaltungsstadt mit riesigen, grünen Parkanlagen, Regierungsgebäuden, Villenvierteln und breiten Straßen, aber ohne Lebendigkeit und Charme.

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Samuel und ich sind dort eigentlich nur hingefahren, um eine riesige Moschee im postmodernen Baustil zu besichtigen und um ein vierzehntägiges Ausreisepermit zu bekommen, bevor unsere Transitvisa abgelaufen waren.

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Der bürokratische Apparat Pakistans ist übrigens durchaus einen Besuch wert! Findet man sich doch geradezu 60 Jahre in die Vergangenheit zurückversetzt!

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Ein Highlight unseres Aufenthaltes in der Hauptstadtregion war es, die offene Werkstatt bzw. den Showroom der bunt bemalten und reich verzierten Trucks in Taxila zu sehen!Samuel und ich nahmen uns einen Tag Zeit, um die Herstellung der farbigen Ornamente an den einzigartigen pakistanischen LKW’s zu bestaunen. So konnten wir Zeugen werden von Schweißarbeiten an Karosserien, kunstvoller Malerei und der Verzierung der Fahrerkabinen mit reichlich exotischem Dekor. IMG_20181117_1305551IMG_20181117_1309076

Jeder einzelne Truck wird hierbei von seinem Besitzer liebevoll gestaltet und zu einem Unikum in ganz Pakistan umgewandelt. Dass dieser Spaß nicht billig ist, versteht sich wohl von selbst.IMG_20181117_1311096IMG_20181117_1317013

Das Hauptstadtkapitel Pakistans war nun abgeschlossen und ein unglaublich spannendes sollte nun beginnen! Wir begeben uns auf eine Reise in den einzigartigen, gebirgigen Norden Pakistans, dessen gigantische Berggipfel mächtig über allem thronen und einem ordentlich Respekt abverlangen.

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Das ist tatsächlich ein lokaler Bus in Taxila :D!
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Was fahrbare Untersätze angeht, sind die Pakistanis sehr kreativ.

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Balutschistan – Der verrückteste Grenzübergang der Welt?

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Balochistan – eine schier endlose, trocken-heiße, staubige Wüstengegend, die sich über die von ehemaligen Kolonialherren willkürlich und ohne Rücksicht auf die dort lebenden Ethnien gezogenen Landesgrenzen von Afghanistan, Pakistan und dem Iran erstreckt … eine Region, ungefähr so groß wie Deutschland, die von der pakistanischen Regierung mit Gewalt einverleibt wurde und in der verschiedene Separatistengruppen um ihre politische Unabhänigkeit kämpfen … eine Region, die überdies in den letzten Jahren immer wieder in die Schlagzeilen geriet, wegen der Entführung und Geiselnahme von Touristen, Bombenanschlägen der Taliban und anderer Terrorgruppen und nicht zuletzt wegen eines florierenden Drogenschmuggels über die Grenzen.

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In diese Region machte ich mich nun auf, um vom Iran aus über den Landweg nach Pakistan und Indien zu gelangen. Frohen Mutes überquerte ich an einem Donnerstag Nachmittag die iranisch-pakistanische Grenze bei Taftan und wurde auf pakistanischer Seite freundlich von der Polizei empfangen. Die mit Kalaschnikows bewaffneten Grenz- und Anti-Terror-Polizisten Balochistans nennen sich selbst „Levies“ und betreiben einen großen Aufwand, um Touristen sicher durch die größte Provinz Pakistans zu geleiten.

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600 km galt es von Taftan bis in die Provinzhauptstadt Quetta zurückzulegen.

Das ist eigentlich keine große Distanz, wenn man überlegt, wie leistungsfähig heutige Autos sind, aber dennoch kostete mich die Wüstendurchquerung mit Polizeieskorte ganze 5 Tage! Dafür waren unter anderem die vielen Polizei-Check-Points verantwortlich, die immer wieder mitten in der Wüste auftauchten und an denen ich mich – wie alle anderen Touristen auch, die diesen Weg gehen – in ein großes Buch eintragen und das Fahrzeug wechseln musste.

Das war ganz schön zeitaufwendig und auch kraftraubend, denn immer wieder wurde ich neuen Levies vorgestellt, immer wieder musste ich meinen schweren Rucksack auf die Ladefläche eines anderen Pick Ups laden und immer wieder beantwortete ich die gleichen Fragen: „Hey, how are you? What’s your name? Where are you from? Do you like Pakistan? What is your profession in Germany? Are you married?“ und ähnliches!

Na ja … angesichts der Bemühungen, die sie unternahmen, möchte ich ihnen jegliche Neugier oder Distanzlosigkeit verzeihen.

Das permante Gefragtwerden nach der Herkunft, dem Familienstand und dem Beruf setzte sich übrigens während meines gesamten Aufenthaltes in Pakistan fort … aber hey … Menschen sind eben neugierig und das ist auch vollkommen okay :D.

Der Transport auf den Ladeflächen der Pick Ups war aufregend … ebenso auf Polizeistationen zu schlafen, die fast jeglichen Komfort missen lassen, die schlicht und einfach ausgestattet und baulich sowie technisch ziemlich heruntergekommen waren!

 

Mit dem Betreten Pakistans begab ich mich auf das bislang größte und verrückteste Abenteuer der ganzen Reise!

Bereits kurz nachdem ich in der Polizeistation von Taftan für die Nacht einquartiert wurde, wurde ich Zeuge der Gefangennahme von ca. 80 Pakistanis, die versucht haben, „illegal“ über die Grenze in den Iran zu flüchten, um dort Arbeit zu finden und ein besseres Leben zu beginnen. Alle diese Männer wurden für eine Nacht in Gewahrsam genommen und am nächsten Tag nach Hause geschickt.

Für mich sollte es am nächsten Morgen mit der Polizeieskorte nach Dalbandin gehen.

Ich hätte bereits am Nachmittag dort ankommen müssen; es wurde dann aber später Abend. Man hat mich nämlich an einen Wüstenposten der Polizei ausgesetzt, scheinbar vergessen und erst nach mehreren Anrufen der Levies nach 7 Stunden abgeholt. Na ja … Das war auch halb so wild.

 

Ich konnte mir die Zeit in der Wüste ganz gut in der Gesellschaft der beiden Levies vertreiben, die den Posten bewachten. Die Beiden waren schon lustige Kerle! Der Eine telephonierte ständig oder schlief, während der Andere damit beschäftigt war, die Straße mit einem Seil zu sperren, um vorbeifahrende Fahrzeuge zu kontrollieren.

 

Nach Einbruch der Dunkelheit wurde ich dann von einem Polizei-Pick Up abgeholt. Der wohl einen höheren Rang inne habende Polizist beschwerte sich zwar darüber, dass er wegen nur eines Touristen den weiten Weg zurücklegen musste, aber letztendlich brachte er mich zu einem schmutzigen Hotel in Dalbandin, indem ich übernachten musste … ob ich wollte oder nicht! Da erst am nächsten Abend weitere Touristen eintreffen und ich mit ihnen zusammen weiterreisen sollte, musste ich wohl oder übel zwei Nächte an diesem ungemütlichen Ort verweilen.

Derweil quälte mich die Trennung von meiner lieben Hazal sehr und im Hotel in Dalbandin hatte ich genug Zeit, um darüber zu sinieren!

Das ältere Ehepaar Therése und Pierre aus Frankreich sowies Feico und Saskia aus den Niederlanden waren da eine willkommene Abwechslung. Insbesondere Pierre strahlte mit seiner stets lockeren, fröhlichen Art eine Ruhe und Gelassenheit aus, die seinesgleichen suchte. Ich war auch sehr begeistert von seinem Humor und hoffe, dass ich im Alter auch einmal so humorvoll und aktiv sein werde :)!

Zu fünft setzten wir unsere Fahrt durch die Wüste dann am nächsten Tag mit diversen Polizeieskorten bis zur Provinzhauptstadt Quetta fort.

Was am Anfang noch spaßig und abenteuerlich war, entpuppe sich bald als anstrengend, denn ich musste mit meinem schweren Rucksack mindestens 15 Mal die Ladefläche des Pick ups wechseln! Feico und Saskia waren dann irgendwann so nett, mich in ihrem Jeep mitfahren zu lassen. Sie ließen mich sogar vor der Polizeistation in Quetta in ihrem Auto schlafen, nachdem der Polizeikommissar mir verwehrte in der Polizeistation zu nächtigen.

Die pakistanischen Polizisten sind übrigens ein Völkchen für sich: Es fällt mir bisweilen schwer, sie ernst zu nehmen, da sie gegenüber Touristen einerseits sehr freundlich sind, sich andererseits in ihren Aussagen aber auch oft widersprechen.IMG_20181115_0950273 So hieß es einmal, dass wir draußen auf dem Gelände der archäologischen Ausgrabungsstätte Harappa zelten dürfen und ein anderes Mal, dass es zu gefährlich sei, weil uns ja der Ast eines großen Baumes auf den Kopf fallen könnte. Etwas Verrückteres habe ich bisher noch nicht gehört :D! Ferner behaupten sämtliche Polizisten, Pakistan sei ein absolut sicheres Land, aber warum eskortierte man uns dann permanent in Polizeifahrzeugen mit Maschinengewehren :)?

In der Polizeistation von Quetta lernte ich – wie es der Zufall so wollte – Alex und Anastasia kennen … ein Pärchen aus Russland, das bereits seit zwei Jahren in Eintracht um die Welt reiste (was mich etwas neidisch machte) und die auch als Couch Surfer bei unseren Freunden aus Teheran übernachteten! Wie klein ist doch die Welt! Ferner lernte ich Samuel aus Österreich kennen, der schon viel mehr Reiseerfahrung als Backpacker hat als ich und mich dem ich die nächsten zehn Tage zusammen reisen sollte.

Bis wir unsere Fahrt im staubigen, alten Zug von Quetta nach Multan antraten, geschahen in der Polizeistation von Quetta noch höchst seltsame Dinge. Die Polizeibeamten erlaubten den Touristen nämlich nicht nur öffentlich zu kiffen, sondern taten es auch selbst und verkauften das Zeug sogar an Samuel und Andere! So etwas wäre in Deutschland undenkbar (glaube ich zumindest)!

Offiziel kam das natürlich nicht vor ;)!

… aber als ich das erlebte, dachte ich so bei mir, dass diese Männer vielleicht noch richtige Polizisten sind, die sich um wirklich wichtige Dinge kümmern! Anstatt sich um den Hasch-Konsum oder um Falschparker zu kümmern, versuchen sie den Terrorismus in ihrer Region zu bekämpfen und für Sicherheit in der Stadt zu sorgen.

Ich weiß natürlich, dass unsere Polizei in Deutschland das auch tut! Sie tun aber meiner Meinung nach auch eine Menge unnötiger Dinge. Deshalb dieser Denkanstoß ;).

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Road Runner & die Insel der 100 Farben

In den kommenden Wochen bereisten wir die Städte Yazd, Shiraz sowie Bandar Abbas und die Insel Hormuz, die sich im Persischen Golf befindet, wobei wir auch wieder auf die Gastfreundschaft der Iraner zählen konnten und einige Strecken trampten, aber auch große Strecken mit unseren Freunden aus Teheran in deren Auto zurücklegten. Ich durfte sogar auch mal kurz fahren :D!

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Unterwegs trafen wir immer wieder auf nette sowie hilfsbereite Iraner, aber auch Touristen, mit denen wir zusammen Zeit verbrachten, ins Café gingen oder Ausflüge in die Wüste und zu historischen Stätten unternahmen. In der Provinz Yazd besuchten wir zum Beispiel eine alte Ruinenstadt sowie heilige Stätten der Zoroastrier und in der Nähe von Varzaneh in der Wüste frühstückten wir auf dem Dach einer alten Karavanserei, wobei es wirklich ar…kalt war um diese Zeit!

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Wie groß war die Freude, als wir Eric aus München (links) wiedertrafen, der mit dem Fahrrad von Deutschland bis in den Iran geradelt ist :)! Francis (rechts) ist derweil von Australien, über Südostasien, China und Zentralasien bis in den Iran geradelt. Beeindruckend!

Ein anderes Mal fanden wir uns auf dem Motorrad eines jungen Mannes wieder, der stumm war und uns freundlicherweise durch die Stadt fuhr. Obwohl wir mit ihm nicht sprechen konnten, lud er uns zu sich nach Hause ein, um uns seiner Frau vorzustellen, die ebenfalls stumm war und um mit uns gemeinsam zu essen.

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Die Gelegenheit Faludeh zu probieren, konnte ich mir in Shiraz natürlich nicht entgehen lassen :D!

Unsere Freunde aus Teheran trafen wir unterwegs auch wieder (in Shiraz) und zelteten ein paar Tage mit ihnen auf der Insel Hormuz, die für ihre Abgeschiedenheit und ihr Felsgestein in verschiedenen Farben (z.B. rot, schwarz, orange, weiß und gelb) bekannt ist. Dort begegneten wir auch einem Mann, der bereits seit mehreren Monaten als Einsiedler am Strand bzw. in einer Höhle und im Zelt am Strand lebt und sich dort ein kleines Reich errichtet hat. Er erinnerte mich sehr an die Romanfigur Robinson Crusoe. Die Musik, die während unserer Fahrt über die staubige Insel aus dem Tuk Tuk erklang, verströmte hingegen ein Karibik-Flair.

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Back to „old town“ Teheran – Wir konnten uns einfach nicht von der Stadt trennen ;P! – verbrachten wir noch ein paar Tage mit unseren iranischen Freunden dort und trafen auch Georg und Gael, die zwei sympathischen Handwerkswandergesellen, die bereits seit Jahren herumreisen und denen wir bereits vor zwei Monaten in Tbilisi begegnet sind. Ich brauche eigentlich nicht zu erwähnen, dass sie mit ihrer traditionellen Handwerkerkleidung bei den Iranern noch weitaus mehr Aufsehen erregten als wir :D.

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Diese letzten Tage in Teheran waren von einer schweren, auf mir lastenden Abschiedsstimmung geprägt … nicht nur, weil wir uns von unseren iranischen Freunden verabschieden mussten, sondern hauptsächlich, weil ich mich von Hazal verabschieden musste. Sie ist des Reisens verständlicherweise müde geworden und wollte sowohl ihre Familie, als auch ihre Freunde wiedersehen und mit ihnen Zeit verbringen.

Nachdem wir Hazal nachts am Teheraner Flughafen verabschiedet hatten, ging die Überlandreise durch Asien also folglich für mich alleine weiter.

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Die letzten Tage im Iran und der Beginn eines neuen Abenteuers

Bevor ich die Grenze nach Pakistan zu Fuß überquerte, hielt ich mich noch ein paar Tage in Zahedan auf, der Hauptstadt der iranischen Region Sistan-Balochistan. Bereits auf dem Weg dorthin wurde ich im Zug von drei verschiedenen Iranern eingeladen, bei ihnen zu Hause zu übernachten.

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Da ich aber nach der vorübergehenden Verabschiedung von Hazal erstmal Zeit für mich brauchte, quartierte ich mich in einem Hotel ein. Allerdings ging ich jeden Tag hinaus, um mit der Familie des Vaters, der mich zu sich nach Hause einlud und mit dem Vater selbst Zeit zu verbringen. Dies war eine gute Entscheidung, denn so kam ich in den Genuss, am großen Kochen einer Speise namens „Halib“ zu Ehren des Imam Hossein teilzunehmen

und ich wurde erneut Zeuge der Zusammenkunft einer iranischen Großfamilie. Wir tranken gemeinsam Tee in deren überaus reich ausgestatteten Wohnzimmer und ich musste es aushalten, im Mittelpunkt zu stehen, von 20 Paar Augen angeschaut , immer wieder photographiert und angelächelt zu werden. Im Endeffekt konnte ich es aber auch genießen, da alle sehr herzlich und freundlich zu mir waren.

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auf dem Weg zur pakistanischen Grenze

Der Iran … zu groß und zu vielseitig ist dieses Land, um ein Fazit ziehen zu können!

Ich kann nur eines mit Gewissheit sagen: Die Herzenswärme und Gastfreundschaft der dort lebenden Menschen, der kulturelle Reichtum und das schöpferische Potential der iranischen Jugend stehen im krassen Gegensatz zur rückschrittlichen und engstirnigen Politik, die dort betrieben wird.

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Der Iran ist ein Ort, an dem ich Freunde und ein Stück Heimat gefunden habe … eine weitere Heimat in dieser großen weiten Welt!

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Iran intensiv

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Unsere Zeit in Teheran wurde durch einen dreitägigen Aufenthalt im Norden Irans unterbrochen. Genauer gesagt waren wir im einzigartigen Terrassendorf Masuleh, dass sich inmitten saftig-grüner, nebelverhangener Berge befand und in dem es keine Straßen gibt. Da sich die Häuser am Berghang entlang übereinander gestaffelt aufreihen, läuft man einfach auf den Hausdächern bzw. von Dach zu Dach. In dem Dorf herrschte durch das regnerische Wetter und die ruhige Lage eine so gemütliche Atmosphäre, dass ich dort gar nicht mehr weg wollte. Hazal und ich zelteten zwei Tage auf dem grünen Berghang gegenüber des Dorfes. Der Nebel war dort teilweise so dicht, dass man kaum die eigene Hand vor Augen erkennen konnte.

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In Bandar Anzali am Kaspischen Meer, an dem ebenfalls eine unglaublich gemütliche Stimmung und romantische Atmosphäre herrschte lernten wir Majid kennen, der so freundlich war, uns eine Unterkunft für die Nacht zu zeigen, uns herumzuführen und uns auch mit von seiner Mutter liebevoll gekochtem Essen versorgte. Mit Majid verbrachten wir auch Zeit in Anzali, tranken Tee, aßen etwas, gingen spazieren, führten gute Gespräche und hörten uns seine Geschichte an, die wie so viele iranische Lebensgeschichten spannend, voller Hoffnung auf eine bessere Zukunft, aber auch irgendwie traurig war.

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am Kaspischen Meer

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Nach Teheran zurückgekehrt, saugte mich die Stadt schon wieder ein und aufgrund meiner Schwierigkeiten, ein Visum für Pakistan zu beantragen, blieben wir doch tatsächlich weitere neun Tage im stickigen Moloch! Der Lärm und Gestank in der Stadt sowie meine vielen Behördengänge wurden aber erträglich dadurch, dass wir wieder ein paar Tage im Heritage Hostel und auch bei unseren Freunden A. und A. übernachteten. In der pakistanischen Botschaft lernte ich übrigens Mattheuz kennen, der mit dem Fahrrad um die Welt reist und auch durch Pakistan hindurch möchte. Wieder ein Fahrradfahrer, der mich inspirierte.

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Der Naqsh-e Jahab Platz – ideal für ein Picknick mit Freunden

Unsere nächste Station war dann endlich das Landesinnere … genauer gesagt: die berühmte Stadt Isfahan, die von den Iranern auch gerne als die „Hälfte der Welt“ bezeichnet wird und die wirklich reich ist an kulturellem Erbe

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Wir übernachteten drei Tage bei einer sehr höflichen Familie in einem Isfahaner Vorort. Ja, die iranische Gastfreundschaft … manchmal wurde sie mir doch etwas zu viel, aber ich nahm die mich manchmal auch einengenden Umgangsformen und Traditionen gerne in Kauf, um eben die Menschen dieses Landes und ihre Kultur besser kennenlernen zu können.

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In Isfahan habe ich dann auch mein Visum verlängern lassen, was zwar ein wenig stressig war, da die Behörde nur so überfüllt war mit Antragstellern und alles chaotisch drunter und drüber ging, aber im Vergleich zur Beschaffung des Visums für Pakistan, war das Prozedere in Isfahan eine Kleinigkeit.

Tradition oder Unfreiheit …? Daran scheiden sich die Geister.

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Der Bazar von Isfahan ist insbesondere für seine Handwerkskunst berühmt. Man kann gemächlich über den um den Naqsh-e Jahan – Platz angelegten Bazar schländern und den Schmieden, Bildhauern und anderen Kunsthandwerkern bei ihrer traditionellen Arbeit zuschauen (kostenlos versteht sich ;P)!

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Bei all dem Reichtum an Kulturgütern, Schmuck und Kunst konnte ich es kaum fassen zu realisieren, dass der Zayandah Rud, der durch Isfahan fließt, kein Wasser mehr trägt! Dies sei zum Teil auf die von der Regierung veranlasste Stauung des Flusses zwecks einer Verbesserung der Wasserversorgung an anderen Orten zurückzuführen.

Es war wirklich ein trostloses Bild, welches sich uns da bot und machte mich sehr traurig :(!

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In der kleinen und alten Wüstenstadt Varzaneh durften wir dann zum ersten Mal auf dieser Reise als Voluntäre arbeiten und zwar in einem gemütlichen Guesthouse (Negaar Traditional Guesthouse) mit sehr familiärer Atmosphäre, zu der das super kompetente Team des Guesthouses beigetragen hat. Noch einmal ein herzliches Dankeschön an euch alle dafür, dass ihr uns so freundlich aufgenommen habt :-)!

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Wird da wohl wieder mal Chai vorbereitet?

IMG_20181015_1558087Unsere Arbeit im Negaar Guesthouse ermöglichte uns auch, an einigen aufregenden Ausflügen in die atemberaubende Natur um den kleinen Ort Varzaneh teilzunehmen. Meine persönlichen Highlights waren, barfuß in einem riesigen Salzsee herumzulaufen und den Sonnenuntergang von einer gigantischen Sanddüne in der Wüste aus beobachten zu können.

Varzaneh selbst ist zwar recht klein und befindet sich mitten in der Wüste; das Negaar Guesthouse zog jedoch so viele Reisende an, dass es oft sehr lebendig zuging. Einmal wurden wir sogar Zeuge der abendlichen Feier einer kurdischen Reisegruppe , die mit Musik, Gesang und traditionellen Kreistänzen aufbot, an denen ich mich NATÜRLICH beteiligen musste :D!

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Ein Zu Hause im Großstadtdschungel

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Ein Nachtbus brachte uns in einer etwa elfstündigen Fahrt von der armenisch-iranischen Grenze nach Teheran, Irans abgasverseuchte, kaum Charme versprühende Hauptstadt, der es irgendwie an einem historischen Stadtkern zu fehlen scheint. Kein Wunder … ist Teheran doch auch erst etwa 200 Jahre alt. Einheimische meinen jedoch, dass die Gegend um den Grand Bazzar und dieser selbst als das historische Zentrum zu verstehen seien.

Die Fahrt im Bus verlief angenehm und ruhig. Während der Fahrt kamen mir Erinnerungen an zahlreiche Situationen und Erlebnisse meines vergangenen Iran-Aufenthaltes in den Sinn.

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… und doch gestaltete sich diese zweite Reise in den Iran sehr viel anders als damals!

Zum Einen liegt das daran, dass ich selbst reifer und selbstbewusster geworden bin und mich viel stärker auf Begegnungen mit anderen Touristen und Iranern einließ, zum Anderen reiste ich nicht allein, sondern mit meiner süßen Hazal, was sich natürlich auf das Verhalten der Einheimischen mir gegenüber, aber auch auf mein eigenes Reise- und Konsumverhalten auswirkte.

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Unsere Zeit in Teheran erlebte ich als zwiegespalten: Eigentlich wollte ich gar nicht so lange dort bleiben, da ich die Luft in dieser versmogten Stadt sowie ihren chaotischen Straßenverkehr als ungesund erlebte und ich Teheran auch nur wenig Schönheit abgewinnen konnte. Ich meine eine Schönheit, in der ich zur Ruhe kommen und mich wohl fühlen konnte.

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Wir blieben aber dennoch mit zwei kurzen Unterbrechungen 15 Tage, da wir zum Einen das Hostel, in dem wir unterkamen, als Ruheoase betrachteten sowie als Ort, in dem man unglaublich interessante Menschen kennenlernen und von ihren Reiseerlebnissen inspiriert werden konnte und weil wir zum Anderen bei einer unglaublich netten, gastfreundlichen Familie zu Gast waren, deren zwei Söhne unglaublich entspannt, offen, reflektiert, kommunikativ und freundlich waren! Wir haben in A. und seinen Bruder A. zwei neue Freunde gefunden. Meine Schwierigkeiten, ein Visum für Pakistan zu bekommen, verlängerten unseren Aufenthalt ebenfalls um weitere acht Tage.

Doch zunächst einmal zurück zum Hostel: Das Heritage Hostel nahe der Metro-Station „Baharistan“ war eine derartige Ruheoase inmitten der furchtbar versmogten, lauten und stressigen Stadt, dass wir ganze acht Tage bzw. Nächte dort verbrachten … allerdings nicht am Stück! Wir suchten das Hostel, das einen großen Innenhof mit Sitzgelegenheiten, einem Wasserspiel, Jurten und Sitzkissen sowie grünen Pflanzen hatte, wo man bis spät in die Nacht sitzen und mit den anderen Travellern Reiseerlebnisse austauschen konnte und dass auch über ein sehr gemütliches Foyer mit einem großen Holztisch und einem in die Wand integrierten Bücherregal verfügt, insgesamt dreimal auf!

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Dort lernten wir nicht nur Sadaf und Ali Reza kennen, die zum freundlichen Personal gehörten, sondern auch einen sympathischen Radreisenden aus Holland, der mit seinem Fahrrad mal eben von den Niederlanden bis nach China fahren wollte, Marie aus Frankreich, die seit fast zwei Jahren herumreist, Damian aus Frankreich, der mit seiner Ausstrahlung und seinem Charme die Aufmerksamkeit der Frauen auf sich zu ziehen wusste, David aus Mexiko, der mir persönlich sehr sympathisch war und der seit fünf Jahren um die Welt reist, ohne zwischendurch einmal zu Hause gewesen zu sein sowie David aus Belgien, der Geschichts- und Religionslehrer ist und sich sehr für die Länder des Nahen und Mittleren Ostens zu interessieren scheint.

Mit Marie und einer anderen jungen Frau aus Frankreich unternahmen wir einen Ausflug zum Museum der Omnivard – Brüder, die in den 1950-er und 1960-er Jahren für insgesamt zehn Jahre mit Motorrädern um die Welt reisten. Einer der Brüder war sogar anwesend, aber ich hatte irgendwie kein Bedürfnis, mit ihm zu sprechen oder ihm Fragen zu stellen.

Der Museumskomplex, den wir besuchten, befand sich im Norden Teherans, nahe der Metrostation „Tajrish“. Hazal und ich fuhren insgesamt fünfmal dorthin … jedesmal mit einem anderen Ziel. Einmal besichtigten wir einfach den dortigen Bazar sowie eine große Moschee, in der wie wild gebetet wurde und in der Hazal sich mit einer Art Bettlaken bedecken musste. Ein anderes Mal trafen wir dort Gittis Neffen, der sich freute, mich wiederzusehen und der uns mit seinem Auto zum Toojal-Berg hinauffuhr. Von der Aussichtsplattform hatte man einen schönen Blick auf das nächtliche Teheran.

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Ein anderes Mal wiederum trafen wir uns mit A. in der Nähe der Metrostation „Tajrish“, um dort mit ihm in einem persischen Fastfood-Restaurant etwas zu essen und anschließend das Filmmuseum zu besichtigen und zuguterletzt fuhren Hazal und ich dorthin, um zu einem schlechten Wechselkurs in einem Luxushotel Geld von meinem Konto abzuheben.

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Unsere Zeit mit den beiden Brüdern und deren Eltern:

In den beiden Brüdern, die von ihrer Persönlichkeit her doch sehr unterschiedlich sind, haben Hazal und ich zwei neue Freunde gefunden. Wir lernten die Beiden sowie ihre supertollen, netten und hilfsbereiten Eltern über das Internetportal „Couchsurfing“ kennen. Besser gesagt, wurden wir von ihnen eingeladen, nachdem Hazal sie angeschrieben hatte. Wir verbrachten mehr als neun Tage mit A. und seiner Familie. Wir lernten ihre Freunde kennen, halfen ihnen dabei, abends auf einer Brücke Tee zu verkaufen – was doch tatsächlich illegal ist, so dass wir uns vor der eventuell anrückenden Polizei in Acht nehmen mussten – und zelteten draußen in den Bergen nördlich von Lavasan, was ein großer Spaß war, denn wir saßen lange am Lagerfeuer; ich wanderte ein bisschen in den Bergen und als ich am nächsten Morgen im Zelt erwachte, war das stille Fleckchen Erde, an dem wir uns am Vorabend niedergelassen hatten, doch tatsächlich mit etwa 100 Iranern bevölkert, die picknickten, grillten und sich laut unterhielten. Dieses Verhalten der Einheimischen Bevölkerung ist regelmäßig an den Wochenenden, aber auch an anderen Tagen überall im Lande zu beobachten und erstaunte mich schon bald nicht mehr. Mit A. und A. Zeit zu verbringen war stets eine Freude für uns, denn wir vertreten die gleiche politische Einstellung und haben sehr ähnliche Ansichten. Davon mal abgesehen sind die Beiden einfach unglaublich nett und kommunikativ! Ihre Eltern sind auch einfach wunderbar offen sowie gastfreundlich und schienen uns als ihre eigenen Kinder betrachtet zu haben! Die Zeit mit ihnen war ein Segen für uns und trug dazu bei, dass wir uns im Großstadtdschungel zu Hause fühlen konnten!

Insgesamt verbrachten wir drei Wochen in Teheran!

 

 

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Welcome to Iran!

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„Welcome to Iran!“ schallt es uns immer wieder entgegen, wenn wir durch die orientalischen Gassen kleinerer Orte spazieren oder uns durch den dichten Verkehr in Teheran kämpfen. Der Iran ist ein eindrucksvolles Land … voller Schönheit, Vielfalt und Freude, beeindruckender historischer Plätze, faszinierender Natur und herzlicher Menschen, die unglaublich interessiert an Ausländern sind. Es liegt aber auch eine drückende Stimmung über dem Land, eine Atmosphäre der Restriktionen, Verbote und vor allem der Frauenunterdrückung. Letzteres haben wir in den 7 Wochen, die wir nun schon die persische Kultur in uns aufsaugen, am deutlichsten und häufigsten gespürt.

Repressalien und Einschränkungen gab es aber auch in Momenten und Situationen, auf die ich als Mitteleuropäer nie im Leben gekommen wäre! So ist es Iranern beispielsweise verboten, Touristen bei sich zu Hause aufzunehmen, mit ihnen gemeinsam in den Urlaub zu fahren und Freizeit zu verbringen sowie mit ihnen befreundet zu sein. Ganz ehrlich: Das haben wir erlebt, als wir mit unseren Freunden aus Teheran in deren Auto von der Insel Hormoz am Persischen Golf zurückkehrten. Die Polizei hielt uns an, stellte unangenehme Fragen, untersuchte unsere Pässe und wies unsere iranischen Freunde zurecht, dass es eigentlich verboten sei, was sie da tun!

In Teheran haben wir miterlebt, wie junge Iraner, die sich abends einfach nur auf einer Brücke oder auf einem Hügel versammelten, um die Aussicht zu genießen und Tee zu trinken, von der Polizei in die Flucht getrieben wurden. Das Sich-Versammeln an öffentlichen Plätzen zu bestimmten Uhrzeiten scheint also auch ein „Verbrechen“ zu sein. Die Iraner könnten ja auf die Idee kommen, sich zu verbünden und eine Revolution anzuzetteln!

In der Tat werden die iranische Regierung sowie die Mullahs genannten Geistlichen von den meisten Menschen im Land verachtet. Die Wut auf die Regierung und geistliche Führung ist groß, ein Wandel überall gewünscht. Doch so einfach ist es leider nicht …

Die Menschen fürchten die Polizei und es herrscht keine hundertprozentige Einigkeit und Entschlossenheit zu handeln in der Bevölkerung. Doch genug mit der Politik! Wenden wir uns lieber unseren Reiseerfahrungen zu!

Diese waren nämlich alles andere als deprimierend oder negativ! Wir wurden unzählige Male „Opfer“ überschwänglicher Gastfreundschaft, höflicher Neugier und herausragender Großzügigkeit, die sowohl von jungen und alten Menschen, von Frauen und Männern sowie von Städtern und Dörflern ausging und sich durch alle Gesellschaftsschichten zog!

Die Gastfreundlichkeit im Iran ähnelt der in der Türkei stark, erreichte für mich aber ein neues Level. Hazal und ich fühlten uns stets gut aufgehoben und absolut sicher im ganzen Land!

Darüber hinaus ist der Iran reich an uralten Kulturgütern, leckeren vegetarischen Speisen (Wer hätte das gedacht?!) und atemberaubenden Naturschönheiten … aber seht selbst :-)!

 

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Nostalgie in den Bergen

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Armenien – eines der ältesten christlichen Nationen lebt seit Jahrtausenden in den bergigen Regionen des Kaukasus, aber auch außerhalb davon. Der Legende nach hat König Trdat III Gregor den Erleuchter 13 Jahre lang in einer Höhle festgehalten, um ihm vom christlichen Glauben abzubringen. Der König wurde irgendwann geistig krank und nachdem ihm ein Engel im Traum erschien, der ihm sagte, dass nur Gregor der Erleuchter heilen könne, ließ der König den Heiligen frei, woraufhin dieser ihn heilte und König Trdat III das Christentum in Armenien zur Staatsreligion erhob. Viele Armenier wirken stolz auf diese und weitere Geschichten und ihre nationale Identität scheint stark verwurzelt zu sein in der Armenisch-Apostolischen Kirche, die eben eine nationale Kirche ist.

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Von Nationalstolz bekamen wir aber so gut wie gar nichts mit. Wenn ich an Armenien denke, bleiben stattdessen eine beispiellose Gastfreundschaft, Gemütlichkeit, wunderschöne Landschaften und ein entschleunigter Lebensstil in Erinnerung.

Wenn ich von Entschleunigung spreche, dann meine ich damit die ruhige und stille Atmosphäre, die sowohl von der beeindruckenden, meist trockenen Gebirgslandschaft ausgeht, als auch von den Städten und Dörfern, die darin eingebettet liegen und die mit ihren Plattenbauten und ihren alten russischen Autos einen starken sowjetischen Charme versprühen.

Eine Besonderheit zahlreicher armenischer Autos ist, dass sie aufgrund eingeschränkter wirtschaftlicher Aktivitäten Armeniens mit seinen Nachbarländern, nicht mit Benzin, sondern mit Gas betrieben werden. Das bedeutet zumindest für öffentliche Verkehrsmittel wie Busse, dass man während des Tankvorganges an der Tankstelle das Fahrzeug verlassen muss, anschließend aber natürlich wieder einsteigen darf. Komisch war es aber schon mitzuerleben, wie an der Tankstelle plötzlich alle ausstiegen, so als wären wir schon an der Endhaltestelle angekommen.

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Wenn ich von Gastfreundlichkeit rede, dann erzähle ich besser folgende Anekdoten:

Kurz nachdem wir die Grenze nach Armenien überquert hatten und uns an die Straße stellten, hielt ein Wagen an, in dem ein armenisches Ehepaar saß, dass uns nicht nur viele Kilometer ins Landesinnere mitnahm, sondern uns auch dazu einlud, im Hause ihrer Familie zu Abend zu essen und bei ihnen zu Hause zu schlafen. Wir nahmen das Angebot an und fanden uns kurz darauf wieder in der Gesellschaft einer Großfamilie mit vielen Kindern, Großeltern und leckerem Essen, das an die türkische Küche erinnerte. Es gab aber auch wieder einmal viel Alkohol.

Am nächsten Tag bekamen wir noch ein leckeres Frühstück serviert, wurden durch die Stadt geführt und zum Busbahnhof chauffiert, von wo aus wir unsere Fahrt fortsetzten. Die nächsten zwei Nächte konnten wir umsonst in einem Holzbungalow am Sevansee übernachten, weil die Mitarbeiter der Tourismusanlage dort nicht wollten, dass wir draußen im Zelt schlafen. Sie meinten, es wäre zu kalt in dieser Jahreszeit. Im gewissen Sinne hatte er Recht: Es war zwar nicht zu kalt, aber dafür sehr ungemütlich draußen, denn an beiden Abend gab es ein Gewitter mit Regen.

Als wir dann bei Regen und Nebel durch das armenische Hochland zur armenisch-iranischen Grenze trampten, nahmen uns zwei sehr freundliche, gut englisch sprechende Armenier in ihrem Firmenwagen mit bis in die nächste Ortschaft. Ihre Gastfreundschaft ging aber noch weit darüber hinaus: So boten sie uns an, uns noch bis zu ihrem Firmensitz eine Ortschaft weiter mitzunehmen. Wir müssten dafür aber etwa eine halbe Stunde warten, da sie etwas zu erledigen hätten. Wir willigten ein, woraufhin die Beiden uns zu einem Restaurant brachten, uns etwas Leckeres zu essen bestellten und dieses auch noch bezahlten. Es ist nicht so, als hätten wir jede Geste der Gastfreundschaft und jede Einladung einfach so widerstandslos angenommen! Allerdings war es bisher an allen Orten, an denen wir uns aufhielten schwierig, Einladungen abzuschlagen. Die Menschen waren nämlich stets von Herzen freigiebig und wollten uns unbedingt beschenken.

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Wir waren also nun im nebligen, kühlen Grenzgebirge zum Iran und unsere nächste Etappe stand kurz bevor. Die Kälte und der Nebel machte uns das Warten auf ein Auto, das uns mitnahm, zwar wirklich lang, aber wir hatten auch diesmal Glück: Ein PKW-Fahrer stoppte und nahm uns bis zur iranischen Grenze mit, wo es wieder warm und der Himmel klar war.

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Allerdings dämmerte es auch schon, als wir an der iranischen Grenze ankamen. Das Grenzprozedere war wieder einmal alles andere, als schön: Die Beamten auf der armenischen Seite wirkten angespannt und überarbeitet und auf der iranischen Seite wurden wir beim Geldwechseln in einer offiziellen Wechselstube um etwa 100€ betrogen, da wir nur den offiziellen Wechselkurs kannten, der von der iranischen Regierung herausgegeben wurde und im Internet kursiert, nicht aber den inoffiziellen, der im ganzen Land gilt. Nun ja … Diese negative Erfahrung sollte auf keinen Fall repräsentativ sein für die Menschen im Iran, so dass wir also optimistisch und mit Vorfreude in dieses aufregende Land starteten.

Was Armenien betrifft, so waren wir viel zu kurz in diesem Land. Armenien hat viel zu bieten an authentischer Atmosphäre. Hier kann man noch am normalen Alltag der Menschen teilnehmen, ohne irgendetwas inszeniert zu finden, denn dieses kleine, unscheinbare Land ist touristisch kaum erschlossen. Ich hoffe, dass ich eines Tages wiederkommen werde!

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In der grünen Oase

Georgien – ein relativ kleines Land, aber doch groß genug, um sich wochenlang darin zu verlieren, sich treiben zu lassen, die Zeit zu vergessen, georgische Musik zu hören und über die unglaubliche Vielfalt der Natur zu staunen. Ich habe – um ehrlich zu sein – noch nie ein so grünes Land gesehen und erlebt! Aus allen Ecken sprießt und wächst das pralle Pflanzenleben, sei es im eher subtropischen georgischen Tiefland mit seinen üppigen Farnen, Palmen, Büschen und Obstbäumen oder im gebirgigen Teil des Landes, in dem saftig-grünes Gras die Berge wie ein Schleier überzieht und dichte Laub- sowie Nadelwälder das Landschaftsbild prägen und sich bis weit hinauf in den Kaukasus erstrecken.

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Die Menschen, die wir in Georgien trafen, waren sehr direkt, mitunter manchmal auch derb, aber ohne böse Absichten und stets hilfsbereit, herzlich, ursprünglich in ihrer Art und voller Ehrgefühl und Aufrichtigkeit. Dies konnten wir besonders spüren, als wir bei einer georgischen Familie auf dem Land zu Gast waren und gemeinsam mit einem Paar aus Russland an einem traditionellen georgischen Abendessen teilnahmen, bei dem nacheinander alle beteiligten Männer und Frauen das (Wein-) Glas erheben und bedeutungsvolle, tiefsinnige Worte sprechen, die von allen am Tisch ernst genommen werden. Trinkt der Herr oder die Dame des Hauses den Wein aus einem Horn, so sollten alle Anderen, die aufgefordert werden, einen Trinkspruch zum Besten zu geben, dies auch tun.

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Wir trafen auch wirklich viele Georgier, die sehr freundlich waren und uns beim Trampen in ihren Autos ein Stück mitgenommen haben. Viele hielten sogar an, ohne dass wir zuvor angezeigt haben, dass wir trampen!

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Die Gastfreundschaft und der Respekt, der den Gästen des Landes entgegengebracht wird, ist unbeschreiblich.

Einmal fragten wir in einem Gasthaus nach, wieviel wir für unser weniges Geld zu essen bekommen. Die Frauen im Gasthaus verstanden nicht genau, was wir wollten, aber das war ihnen auch gar nicht wichtig! Die Frauen zögerten nicht und schenkten uns genug Lebensmittel, um davon ein leckeres Abendessen zubereiten zu können.

Diese Aufmerksamkeit und Zuwendung wird den Tieren aber leider nicht zuteil. Wir konnten beobachten, dass insbesondere Straßenhunde vielerorts arg vernachlässigt oder schlecht behandelt werden, sich ängstlich zusammenkrümmten, wenn wir uns ihnen näherten und einfaches, trockenes Brot mit hastiger Gier verschlangen, als hätten sie eine Woche lang nichts Essbares bekommen. Wir hoffen, dass sich die Situation der Straßenhunde in diesem ansonsten wunderschönen Land bald verbessern wird und sie genauso geachtet werden, wie die zahllosen Kühe, die überall auf den Landstraßen frei herumlaufen oder -stehen und von den Autos umfahren werden (it’s like India!).

A propos „Auto fahren“: Das wohl einzige Gefährliche in Georgien ist der Straßenverkehr! Aufgrund der geringen Verkehrsdichte in großen Teilen des Landes (und noch aus anderen Gründen), wird äußerst wild, schnell und riskant gefahren. So manches Mal bekam ich Gänsehaut und Herzklopfen, wenn der Fahrer des Autos, in dem wir getrampt sind in der Kurve beschleunigte oder der Fahrer der Maschrutka-Minibusse trotz Gegenverkehrs zu einem riskanten Überholmanöver ansetzte.

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Einmal konnten wir beobachten, wie ein Taxi mit hoher Geschwindigkeit ein parkendes Auto streifte und einen Sachschaden verursachte; ein anderes Mal fuhren wir auf der Autobahn an einem brennenden Auto vorbei.

Unsere Zeit in Georgien haben wir überwiegend dazu genutzt, uns in der Natur

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aufzuhalten. Wir sind im Schwarzen Meer geschwommen, haben unser Zelt in einem Garten oder wild an einem Fluss aufgeschlagen, haben uns in Martvilli in einem versteckten Canyon in eiskaltem Gebirgswasser gebadet

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und sind für ein paar Tage in das Bergdorf Uschguli in den Kaukasus geflüchtet, um dort wandern zu gehen und die Ruhe zu genießen. Die Fahrt dorthin war ziemlich aufregend! Ist Uschguli aufgrund seiner abgeschiedenen Lage doch nur über eine staubige und bei Regen schlammige Sand- und Schotterpiste zu erreichen, die sich an Berghängen entlangwindet. Wir kamen spät in Mestia an und hatten Glück, dass wir noch jemanden fanden, der uns in seinem allradbetriebenen Jeep den zweistündigen Pfad nach Uschguli mitnahm. Kurz bevor wir am Ziel waren wurde es dunkel und begann recht stark zu regnen, so dass der Weg vor uns immer schlammiger wurde. Letztendlich kamen wir aber wohlbehalten an und fanden erstmal in einem Gasthaus Unterschlupf.

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In Uschguli waren wir zu Gast bei Bezo und Meggi, die drei Töchter haben, von denen zwei schon fast erwachsen sind und bei der Arbeit im Dorf mithelfen und eine damit beschäftigt ist, spielerisch die Welt zu erkunden und mit vorbeikommenden Gästen wie uns liebevoll, aber schüchtern anzubändeln. Familiär ging es dort zu und eine außergewöhnliche Einfachheit in der Lebensweise der Menschen war zu spüren, ebenso das Selbstbewusstsein der Menschen auf dem Land. Vieles wird als selbstverständlich einfach hingenommen, seien es Unwetter, Stromausfälle oder Reifenpannen. Alle scheinen irgendwie ihren Platz zu haben in ihrer Welt zwischen den Wäldern und Bergen und schon die kleinen Jungs sitzen fest im Sattel der Pferde und reiten frech an einem vorbei.

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Zu kurz war unsere Zeit bei der Familie im Bergdorf, zu kurz unsere Zeit in Tbilisi mit seinen vielen Kirchen und Klöstern, von denen eine spirituelle Aura ausging zu kurz, um Wein und Musik wirklich genießen zu können … zu kurz für mich, um mit den Bergen, Wäldern und Flüssen eins zu werden …

… aber das macht nichts! Bietet doch alles noch sehnsüchtig Verlangte und Erwartete einen willkommenen Anlass, um möglichst bald nach Georgien zurückzukehren!

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Der Einsame vom Berge

Eine Geschichte möchte ich aber noch erzählen, die mir besonders positiv in Erinnerung bleiben wird! Wir befanden uns auf einen Ausflug zum Dawid Garedji – Höhlenkloster, dass sich in den Bergen an der aserbaidjanischen Grenze in einer wüstenähnlichen Gegend befindet und das älteste Kloster Georgiens sein soll. Aus der Sicht eines zielorientierten Touristen mit engem Zeitfenster würde man diesen Trip wohl als gescheitert betrachten, denn wir brachen zu spät auf, trampten zuerst in eine schwer zugängliche Gegend, warteten recht lange auf Mitfahrgelegenheiten und hatten an der eigentlichen Klosteranlage nur wenig Zeit, weil die Sonne bald unterging.

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Für uns jedoch war dies ein besonderer Tag, denn wieder einmal ließ Gott uns Menschen begegnen, die uns halfen und schenkte uns darüber hinaus einen kleinen Einblick in die Lebenswelten unserer jeweiligen Fahrer! Wir sprachen an diesem Tag erstmals mit Georgiern ernsthaft über ihre persönlichen Probleme in den Bereichen Familie und Arbeit und selbst wenn wir uns mit unserem Fahrer nicht wirklich unterhalten konnten, spürte man ihnen ab, dass ihnen die Arbeitslosigkeit zu schaffen macht und sie sich von den Verantwortlichen im Land vernachlässigt fühlen.

Wir fuhren also in die Stadt Rustawi (südlich von Tbilisi), die wie ein riesiger Komplex aus sowjetischen Plattenbauten vergangener Zeit wirkte und begannen zu trampen … einen Weg entlang, an dem uns wahrscheinlich niemand mitgenommen hätte. Ein junger Mann hielt jedoch an und fragte, wohin wir unterwegs seien. Nachdem wir ihm unser Vorhaben erzählt hatten, meinte er, dass dies die völlig falsche Richtung zum Kloster Dawid Garedji sei und brachte uns zum Busbahnhof, von wo aus wir einen Minibus nach Sagaredjo nehmen konnten … aber nicht nur das: Er kaufte uns heimlich Bustickets und fuhr uns noch zu einem Café um die Ecke, wo er uns zu einem Tee einlud! Dieser so freundliche und bescheidene Mann, der uns mit trauriger Stimme erzählte, dass er in Rustawi keine Perspektiven hat, der diesen Ort am liebsten sofort verlassen würde und weder Freunde, noch Familie in nächster Nähe zu haben schien und der von sich selbst behauptete, kein guter Mensch zu sein … dieser Mann schenkte uns ein Höchstmaß an respektvoller sowie höflicher Gastfreundschaft, seine Wertschätzung und volle Aufmerksamkeit bis zur Abfahrt des Minibusses, für den er uns Tickets besorgt hatte! Er ist Jurastudent, kämpft sich durch’s Leben und möchte eines Tages an der Humboldt-Universität in Berlin sein Jura-Studium beenden. Ich hoffe, dass wir ihm unsere Hilfe und Gastfreundschaft zuteil werden lassen können, wenn es so weit ist!

Von Sagaredjo aus durften wir auf dem (leider leeren) Heuwagen eines jungen Landwirtes aus dem Dorf Udabno mitfahren und von dort brachte uns dann circa 2,5 Stunden später ein älterer Mann auf der staubigen und steinigen Schotterpiste entlang bis zum Kloster Dawid Garedji, dass sich in wüsten- und steppenartiger Landschaft befindet und auf einem Felsen trohnt. Die heute noch im Kloster arbeitenden/dienenden Mönche wohnen direkt nebenan in Felsenhöhlen, die mit einfachen Holztüren verschließbar sind. Als wir die meditative Stille dieses Ortes genießen durften, war nur einer der Mönche bzw. Priester zugegen. Er war ganz versunken darin, von Reliquie zu Reliquie zu schreiten, diese mit Weihrauch zu weihen und beim Verlassen der Felsenhöhlenkirche vollkommen eins mit sich, der Welt und Gott Gebete zu singen.

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Unser netter Fahrer brachte uns auch wieder zurück nach Sagaredjo (von wo aus wir eine Marschrutka nach Tbilisi nehmen konnten) und war ziemlich gesprächig. Meine Russisch-Kenntnisse sind zwar mehr schlecht, als recht, aber glücklicherweise verstehe ich so Einiges. So fand ich heraus, dass der arme Mann eine Familie zu ernähren hat, er aber keine Arbeit findet und deshalb den ganzen Tag mit einem schrottigen Auto als Taxifahrer verdingt. Seine beiden erwachsenen Töchter scheinen auch leider keine Arbeit zu finden.

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60 Çay und großherzige Menschen

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Es ist Zeit, ein kleines Fazit zu ziehen … von nunmehr drei Wochen in der Türkei, einem Land, das so reich an Kultur, Gastfreundschaft und Historie ist und unglaublich vielfältige Landschaften vorzuweisen hat. Das gleiche gilt für die türkische Küche, die weitaus mehr vegetarische und sogar vegane Gerichte enthält, als ich vor unserem Besuch annahm.

Die Türkei, wie ich sie in den letzten Wochen kennenlernen durfte, befindet sich meiner Meinung nach an der Schwelle zwischen Orient und Okzident. Es gibt sowohl hochmoderne Großstädte mit Wolkenkratzern, Tanzklubs und links-alternativen Stadtteilen, als auch viele ungeschriebene Verhaltensregeln im Umgang miteinander, die fest in der türkischen Kultur verankert sind, die ich größtenteils aber als positiv, als gemeinschaftsstiftend erlebt habe.

Ich habe in den letzten drei Wochen viele neue Menschen kennenlernen, mich in vielen privaten Häusern und Wohnungen aufhalten und viele Ausflüge in die Natur machen dürfen. Dabei durften der Besuch einer Tropfsteinhöle, das Wandern in der gebirgigen Ägäisregion, Übernachtungen auf dem Land mit Hühnern, Hunden, Katzen und einer Ente, das Schwimmen im Meer, aber auch in einem Bergsee mit romantisch anmutenden Inseln, auf denen sich alte Ruinen vergangener Jahrhunderte befanden, natürlich nicht fehlen.

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Herumgereist sind wir oftmals mit dem Auto, manchmal auch mit Bussen. Meine Türkischkenntnisse nahmen im Laufe der Zeit auch etwas zu … ebenso wie mein Konsum an Schwarztee, der hier einfach „Çay“ genannt wird. Meine vier Glässer Çay am Tag waren dabei noch verhältnismäßig wenig.

Der Gastfreundschaft in der Türkei müsste eigentlich ein eigenes Kapitel gewidmet werden, denn stets waren uns die Menschen zugewandt und freundlich gesinnt! Immer wenn wir beherbergt wurden, zu Gast waren, präsentierten die Menschen sich als sehr freigiebig und großzügig. Stets vermittelten sie uns den Eindruck, dass das Wohl der Gäste an höchster Stelle steht.

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Ich muss zugeben, dass es auch dem Umstand geschuldet ist, dass die Türkei Hazals Heimatland ist und wir aufgrund ihrer Beziehungen und Sprachkenntnisse die Möglichkeit hatten, so tief in die Alltagskultur der Türken einzutauchen. Ich denke aber, dass es auch ohne dies möglich gewesen wäre.

Unseren ursprünglichen Plan, Kappadokien zu besichtigen, konnten wir übrigens nicht verwirklichen, da wir leider eine Zugbindung in Ankara hatten, die Zeit zum Trampen von der Westküste bis ins Landesinnere uns zu kurz erschien und aufgrund des Bayram-Festes nahezu alle Fernbusse in unsere Zielrichtung ausgebucht waren. Wir waren aber dennoch zufrieden mit unserer Zeit in der Türkei. Touristische Attraktionen zu besuchen stehen ohnehin nicht im Vordergrund unserer Reise, sondern die Möglichkeit, am Alltagsleben der einfachen Menschen teilzuhaben.

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Auf dem Weg nach Georgien

In der Zwischenzeit sind wir weiter gereist. Auf dem Weg nach Georgien durchquerten wir Anatolien, die zentrale Region der Türkei, die einen Großteil des Landes ausmacht. Wir gönnten uns dafür den Luxus, im so genannten „Doğu Ekspres“ zu reisen … einem Zug, der 25 Stunden braucht, um von Ankara nach Kars im Nordosten der Türkei zu fahren. Der Zug selbst machte von der Ausstattung zwar nicht so viel her (Wir reisten in der 3.Klasse mit dem „gewöhnlichen Fußvolk“ ;P.), aber dafür konnten wir eine atemberaubende Landschaft genießen, die nur noch von den saftig grünen, bewaldeten Berghängen übertroffen wurde, die sich von Ardahan, über Artvin bis zum Schwarzen Meer erstreckten.

In Kars verbrachten wır also eine Nacht in einem „Lehrerhaus“, wo wir die Bekanntschaft mit einem sehr netten und gebildeten jungen Mann schlossen, der sein eigenes Heimatland mit dem Rucksack erkundete

und schlängelten uns am nächsten Tag mit einem Minibus stundenlang auf engen Straßen durch felsige Gebirgslandschaften bis nach Hopa am Schwarzen Meer, wo wir wieder einmal für zwei Tage in den Genuss der türkischen Gastfreundschaft kamen.

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In der Zwischenzeit sind wir auch wieder ein paar Mal getrampt.

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